Was Versender gegen Paketpreiserhöhungen tun können

Mit diesen Maßnahmen wehren sich Unternehmen (Versandhändler, Onlinehändler) gegen anstehende Paketpreiserhöhungen.

Es grummelt regelmäßig in der KEP-Branche. Und aus einem leichten Grollen sind seit 2021 regelmäßige Donnerschläge erwachsen, die die Versender regelmäßig zum Jahresende erschrecken. Permanent steigende Volumina und ein hausgemachter Fahrermangel bringen das System der letzten Meile mit der Zustellung bis an die Haustür an seine Grenzen.

Mit Gegenmaßnahmen versuchen die Paketdienstleister dem Kostendruck entgegenzuwirken.

(1) Zustellraten (Lieferzeitversprechen für den nächsten Tag) werden mehr oder weniger still und heimlich auf unter 90 % angepasst.

(2) Saisonale Zuschläge sind inzwischen bei allen carriern die Regel statt die Ausnahme.

(3) Und viele Versender berichten, dass sie jährlich mit Preis-Forderungen von 5 bis 12 % für Paketsendungen konfrontiert werden.

(4) Optional werden Tarifstrukturen umgestellt, vom Festpreis auf gewichtsabhängige Tarife. Zu Lasten des Durchschnittspreises.

Die Zeichen sind eindeutig: Versender dürfen sich auf fortwährende Preisanpassungen einstellen. Versandkosten von unter 3,00 € für eine standardisierte Paketsendung gehören mehr oder weniger der Vergangenheit an.

Da der KEP-Markt von einigen wenigen (sehr großen) Versendern getrieben wird, die wiederum auf einige wenige carrier setzen, bleiben die Preiserhöhungen wohl an den kleinen bis mittleren Händlern hängen. Insofern wäre es an der Zeit, über strukturelle (carrier-unabhängige) Veränderungen in den Prozessen nachzudenken. Und diese liegen u.a. in der IT und in der Logistik.

Hier eine kurze Auflistung von Denkansätzen:

Sendungssplit: Im Kosmos der Systeme (Webshop, WaWi, Ordermanagement-System, LVS) können die korrekten Bestandszahlen durchaus mal voneinander abweichen. In der Praxis gibt es  gelegentlich orders, die im shop Bestand haben, aber nicht in einem der „orderausführenden“ Systeme. Somit kann die order nicht erfüllt werden und erhält den flag „backlog“. Es bedarf hier regelmäßiger checks, ob die Bestände in den Systemen korrekt sind.

Nachlieferungen: Sicher, inzwischen ist der Kunde daran gewöhnt für 5 bestellte Artikel 3 Sendungen an 2 Tagen von 2 Paketdiensten zu erhalten. Die Frage ist nur: Muss das dauerhaft so sein. Ich weiß, Umsatz schlägt Logistik. Aber irgendwann kommen wir an den Punkt, wo die Anzahl an Teillieferungen die Marge der Bestellung auffrisst.

Sortiments-Strategie: Was gehört in welcher Menge aufs Lager? Wann wird nachbestellt? Und wann trifft die bestellte Ware im Lager ein? Alles, was sowohl im Shop als auch im Lager verfügbar ist, löst keine Nachlieferungen aus.

Bei den oben genannten Themen ist vor allem das abteilungsübergreifende Zusammenspiel von Einkauf (Disposition), Vertrieb (Webshop) und Logistik gefragt. Hier liegen erfahrungsgemäß die größten Optimierungshebel.

Die richtige Lieferadresse, der richtige Kunde dazu, mit der passenden Bonität – kurzum, zahlreiche Stilmittel, die im Rahmen des Ordermanagements dafür Sorge tragen, dass eine hohe Anzahl an Sendungen auch den „realen“ Empfänger erreicht.

Versandkartonagen: In Stichproben bei Händlern stellte ich bisweilen Füllgrade von 50 % fest, die aufwendig mit Luftpolsterfolie oder anderen Materialien ausgefüllt worden sind. Es gibt natürlich ein Verhältnis zwischen der Größe eines Paketes und dem Preis, auch wenn das ein Carrier häufig nicht sagt.

Fehler beim Picken eingrenzen: Alle Pakete mit einem falschen Artikel kommen wieder zurück. Im schlechtesten Fall zahlt man für einen fehlerhaften Auftrag 3x Versandkosten (2x hin und einmal Retour, zzgl. Prozesskosten Lager). Es macht also in jedem Fall Sinn, die Prozesse hinsichtlich Abwicklungsqualität zu trimmen (der richtige Artikel in der richtigen Mengen im richtigen Paket).

Stammdatenpflege I: Volumen (in Liter) und Gewichte von Pakete erfassen.

Stammdatenpflege II: Volumen (in Liter) und Gewichte von Pakete auch ausschreiben (wenn Sie erfasst worden sind). Dies gilt auch für Retouren.

Stammdatenpflege III: Die gestiegenen oder reduzierten Volumen (in Liter) und Gewichte als Argumente in den Verhandlungen einsetzen.


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Sprechen Sie mich an: Timo Koch – Tel. 030 – 5655 3370